smoki hat geschrieben:
Ich habe beruflich oft Kontakt zu Menschen, die weit überdurchschnittlich viel verdienen, und die man gemeinhin zur sogenannten Oberschicht zählen würde. Was fast alle diese Großverdiener gemeinsam haben ist, dass sie nicht über ihren Reichtum sprechen. Das haben sie nicht nötig, und würde als stillos empfunden. Ein weiteres Charakteristikum ist, dass sie arbeiten, arbeiten, arbeiten, sie sind in ihrem Bereich hochkompetent und lieben das was sie tun.
Ich habe diesen Thread jetzt erst gefunden, und die Beiträge von dem Consultingmenschen waren sehr "auffällig". Ich weiß ja nicht, smoki, wen Du da im Blick hast, aber auf den Bereich Consulting wird es wohl weniger zutreffen. Meine Erfahrungen mit solchen Leuten, die in den letzten Jahren leider zugenommen haben, bestätigen haargenau das, was der Typ hier auch geschrieben hat. Ob es sich dabei um einen Fake handelt oder nicht, ist m.E. nebensächlich. Hochstapelei ist in diesem Arbeitsbereich an der Tagesordnung, vorausgesetzt ist natürlich immer eine lupenreine Qualifikation, die sich in vielen Fällen nur "veradeln" läßt, (ich habe bisher noch keinen in dieser Branche erfolgreichen Menschen kennengelernt, der nicht bereits einen Vater gehabt hätte, der ebenfalls in einer Managementsparte erfolgreich tätig gewesen wäre).
Fernab vom Sozialneid und dem Auftürmen bestimmter Beträge (was durchaus nachvollziehbar, aber m.E. nebensächlich ist), ist das Pikanteste daran, dass diese Leute wirklich alles an Macht erhalten, das sie anstreben, da man ihnen schlicht und ergreifend blind vertraut. Und das gilt auch und gerade für die politische Lobbyarbeit.
Wenn jemand eine angemessene lupenreine Studienqualifikation und den Abschluß eines anerkannten Elitestudienganges nachweist, dann stehen ihm sämtliche Türen offen. Niemand fragt ihn, prüft ihn wirklich, schaut, ob er seiner Aufgabe auch wirklich gewachsen ist, insbesondere dann wenn es um Spekulationen in schwindelnden Höhen geht ist dies evident. (Die Wirtschaftskrise hat mich auch nicht wirklich überrascht, obschon ich sie nicht "vorausgesehen" habe).
Was solche Consultingunternehmen wie McKinsey betrifft, in die Leute zu einem Anfangsgehalt von knapp einer Million Euro einsteigen können, so muss man sich die gesellschaftlich doch die Frage nach Anerkennungen stellen. Auch wenn jetzt viele Leute die linke Kontrollkarte ausspielen (und vielleicht nicht falsch damit liegen), so muss man sich fragen, ob es tragbar ist, dass jemand nicht unter einer Million Euro verdient, der im Grunde zu einem großen Teil dafür sorgt, Arbeitslosigkeit zu generieren, diesem System, der Volkswirtschaft und der Gesellschaft insgesamt enormen Schaden zufügt. Consultingunternehmen, die für Großaufträge Millionen verdienen, wirken sich aktiv schädlich auf diese Gesellschaft aus. Es sind de facto parasitäre Unternehmen. Es ist, um hier mal die durchaus passende Metapher zu nehmen, eine Form von Dekadenz (wenn auch nicht vergleichbar mit der spätrömischen), dass man jene Organisationen gewähren lässt, das System noch weiter zu zerstören, die Arbeitslosigkeit zu erhöhen und zulässt, dass Unternehmen sie für ihr zerstörerisches Werk fürstlichst auszahlen, während die Arbeiter, die den Konzern am Laufen halten, entweder nur niedrig entlohnt oder aber gleich von Zeitarbeitsfirmen angekarrt werden.
Wolfgang Grupp hat sich bei Maischberger m.E. nicht zu Unrecht aufgeregt. Absolute Versager erpressen ganze Volkswirtschaften, die dann für den entstandenen Schaden und ihr eigenes Versagen aufkommen müssen. Auf Dauer werden diese Hochstapler und Wenigkönner so ziemlich jede Volkswirtschaft zu Boden reißen.
Das was der junge Mann hier beschreibt und an "Tipps" gibt ist m.E. für diese Entwicklung evident. Es ist eine der vielen Ursachen, warum es gesellschaftlich und wirtschaftlich tendenziell eher abwärts geht. Die soziale Kälte kriegen wir ja eh schon seit Jahren freihaus geliefert.