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lyra75@web.de
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Betreff des Beitrags: eigene Meinung Verfasst: 04.06.06 16:47 |
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Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Thema schon einmal behandelt wurde, hatte jetzt keine Lust, mir alle Seiten anzusehen.
Also, ich würde mich selbst schon als einen Menschen mit eigener Meinung bezeichnen, welcher diese im Ernstfall auch ziemlich vehement vertreten kann, ohne dabei allerdings "auf stur zu schalten".
Manchmal wundere ich mich allerdings über mich selbst, wie schnell ich aufgrund eines von mir als logisch und/oder vernünftig eingestuften Argumentes meines Gesprächspartners meine Meinung revidieren kann. Dann forme ich in Gedanken meine Meinung unter Einbeziehung dieses Argumentes in meine gesamten Denkprozesse neu.
Allerdings fällt es mir schwer, dies in diesem Moment meinem Gegenüber auch mitzuteilen (es erfordert ja eben auch etwas Zeit, besagtes Argument mit allem abzugleichen, was man so auf der Festplatte hat, Dinge zu verwerfen und neu zu erstellen, eben alles miteinander in Bezug zu bringen) und dann möchte ich das Gespräch meistens am liebsten abbrechen, um erst mal nachzudenken.
Was ich von Euch wissen möchte ist:
Habt ihr eine feste, unverrückbare Meinung? Wenn ja, ignoriert Ihr die Argumente Eures Gegenübers oder überprüft Ihr sie und verwerft sie dann?
Wenn nicht, wie führt Ihr ein Gespräch weiter, nachdem Ihr festgestellt habt, daß Ihr verschiedene Aspekte eines Themas offenbar bei Eurer Meinungsbildung außer Acht gelassen habt? (kompletter Themenwechsel geht manchmal, ist aber häufig für`s Gegenüber zu aprupt und wird nicht akzeptiert)
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egozentrum
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Betreff des Beitrags: Re: eigene Meinung Verfasst: 04.06.06 18:40 |
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Registriert: 25.09.04 04:46 Beiträge: 1496 Wohnort: Osnabrück
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lyra75@web.de hat geschrieben: Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Thema schon einmal behandelt wurde, hatte jetzt keine Lust, mir alle Seiten anzusehen. Ja, das wär' bei diesem Thema auch etwas viel verlangt. lyra75@web.de hat geschrieben: Also, ich würde mich selbst schon als einen Menschen mit eigener Meinung bezeichnen, welcher diese im Ernstfall auch ziemlich vehement vertreten kann, ohne dabei allerdings "auf stur zu schalten". Manchmal wundere ich mich allerdings über mich selbst, wie schnell ich aufgrund eines von mir als logisch und/oder vernünftig eingestuften Argumentes meines Gesprächspartners meine Meinung revidieren kann. Dann forme ich in Gedanken meine Meinung unter Einbeziehung dieses Argumentes in meine gesamten Denkprozesse neu. Ja, passiert mir auch manchmal. Allerdings ergibt dann eine sorgfältige Nachbetrachtung oft, daß wir (also ich und der/dieDiskussionspartner) mal wieder irgendeinem "Schönsprech" verfallen waren. Viele Argumente klingen gut, sind aber völliger Blödsinn, wenn man sie mal genauer untersucht. lyra75@web.de hat geschrieben: Allerdings fällt es mir schwer, dies in diesem Moment meinem Gegenüber auch mitzuteilen (es erfordert ja eben auch etwas Zeit, besagtes Argument mit allem abzugleichen, was man so auf der Festplatte hat, Dinge zu verwerfen und neu zu erstellen, eben alles miteinander in Bezug zu bringen) und dann möchte ich das Gespräch meistens am liebsten abbrechen, um erst mal nachzudenken. Jau. Ich hab' da eher das Problem, daß ich so häufig recht habe. Führt irgendwie dazu, daß ich Diskussionspartner teilw. nicht ernst genug nehmen kann, bzw. erstmal 'nen Fehler bei denen vermute, bevor ich mich dann doch mal bequeme, eigene Fehlleistungen in Erwägung zu ziehen. Hier mal 'n typisches Beispiel für so eine Situation.lyra75@web.de hat geschrieben: Habt ihr eine feste, unverrückbare Meinung? Wenn ja, ignoriert Ihr die Argumente Eures Gegenübers oder überprüft Ihr sie und verwerft sie dann? Wenn nicht, wie führt Ihr ein Gespräch weiter, nachdem Ihr festgestellt habt, daß Ihr verschiedene Aspekte eines Themas offenbar bei Eurer Meinungsbildung außer Acht gelassen habt?
Kommt natürlich drauf an, wie die Diskussion bisher verlaufen ist. Oft gibt es ja durchaus die Option, Verunsicherung einzugestehen, um unabhängig davon wenigstens einige Aspekte der Sache zu beleuchten. Man muss ja eine Sache nicht unbedingt vollständig verstanden haben, um sinvolle Beiträge zu einer Diskussion liefern zu können.
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lyra75@web.de
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Betreff des Beitrags: Typische Situation Verfasst: 04.06.06 20:24 |
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Auch wenn sich mir der eigentliche Sinn Eures Scharmützels mangels Computerwissen nicht wirklich ganz erschlossen hat, war Eure Wortklauberei wirklich herrlich, selten so gelacht...
Manchmal redet man eben ein bißchen aneinander vorbei, das ist schon klar. Daß Du oft feststellen mußt, daß Du Recht hattest, ist ja bei einigen Themen dann auch in irgendeiner Weise überprüfbar; aber was ist mit Themen, bei denen das so nicht geht (z. B. ethische/moralische Fragen) ?Bei diesen Themen kann man sich doch nur eine MEINUNG bilden, da gibt es kein Ergebnis als solches.
Ich lasse mich bei derartigen Dingen beispielsweise oft von meinem Gefühl leiten, was ist richtig oder nicht? Hin und wieder kommt es dann vor, daß jemand logische Argumente gegen das hervorbringt, was für mich gefühlsmäßig richtig ist und das erscheint dann in diesem Zusammenhang auch korrekt, hinterläßt aber so ein ungutes Gefühl. Es kommt vor, daß ich an meiner Meinung festhalten muß, ohne für diese Tatsache logische Argumente vortragen zu können. Das macht eine Begründung für meine Meinung dann schwierig, in einem solchen Fall kann ich dann nur sagen, daß ich das Gefühl habe, dies ist richtig und jenes falsch...
Ach, übrigens: Wie stellst Du es an, Bereiche eines Beitrages als Bezug in Deinem Beitrag einzublenden? Bin leider nicht besonders versiert in diesen Dingen... 
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tfc
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Betreff des Beitrags: hepem jacta ulito rapere Verfasst: 04.06.06 21:01 |
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"zitieren" oder "quoten" ist Dein Freund!
Hiergibt's die Erklärung...
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egozentrum
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Betreff des Beitrags: Re: Typische Situation Verfasst: 04.06.06 21:26 |
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Registriert: 25.09.04 04:46 Beiträge: 1496 Wohnort: Osnabrück
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lyra75@web.de hat geschrieben: Manchmal redet man eben ein bißchen aneinander vorbei, das ist schon klar. Daß Du oft feststellen mußt, daß Du Recht hattest, ist ja bei einigen Themen dann auch in irgendeiner Weise überprüfbar; aber was ist mit Themen, bei denen das so nicht geht (z. B. ethische/moralische Fragen) ?Bei diesen Themen kann man sich doch nur eine MEINUNG bilden, da gibt es kein Ergebnis als solches. Ich lasse mich bei derartigen Dingen beispielsweise oft von meinem Gefühl leiten, was ist richtig oder nicht? Hin und wieder kommt es dann vor, daß jemand logische Argumente gegen das hervorbringt, was für mich gefühlsmäßig richtig ist und das erscheint dann in diesem Zusammenhang auch korrekt, hinterläßt aber so ein ungutes Gefühl. Es kommt vor, daß ich an meiner Meinung festhalten muß, ohne für diese Tatsache logische Argumente vortragen zu können. Das macht eine Begründung für meine Meinung dann schwierig, in einem solchen Fall kann ich dann nur sagen, daß ich das Gefühl habe, dies ist richtig und jenes falsch... Naja, denken darf ja jeder erstmal, wie er will. Da gibt's dann ja auch wenig zu diskutieren, und es entsteht eher so'n Brainstreaming. Aber gerade bei so ethischen oder moralischen Fragen werden solche Gedanken ja sehr schnell auch politisch, und erlangen damit auch schnell ziemlich substanzielle Bedeutung; es werden Streitkräfte in Bewegung gesetzt, Menschen werden in Gefangenschaft genommen oder getötet, Existenzgrundlagen werden verschoben oder vernichtet, usw. Also 'ne recht blutige Sache, das. Solche Fragen sind regelmässig weit davon entfernt, schlicht Ansichtssache zu sein. Tatsächlich findet sich nämlich neben dem Widerstreit von Interessen regelmässig auch die einzig gerechte Regelung. Diese gerechte Regelung (so sie denn überhaupt existiert) ist ja oft recht schwierig herauszufinden. Demenstsprechend schnell kann sich auch das Gefühl einstellen, es sei lediglich eine Geschmacksfrage, wie die Dinge zu regeln sind. lyra75@web.de hat geschrieben: Ach, übrigens: Wie stellst Du es an, Bereiche eines Beitrages als Bezug in Deinem Beitrag einzublenden? Bin leider nicht besonders versiert in diesen Dingen... :oops:
Code: [quote="lyra75@web.de"]Ach, übrigens: Wie stellst Du es an, Bereiche eines Beitrages als Bezug in Deinem Beitrag einzublenden? Bin leider nicht besonders versiert in diesen Dingen... :oops:[/quote]
Den Text kriegst' mit dem "quote"-Knopf oben rechts bei jedm Beitrag.
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D.Lynch
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 05.06.06 12:16 |
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Registriert: 08.09.04 00:59 Beiträge: 5935 Wohnort: Nur noch 15 km zu weit östlich
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Also, ich habe eine feste Meinung und die Frage, was wäre, wen ich mal feststellen würde, daß ich nicht Recht habe, ist reichlich hypothetisch.
Mir bislang noch nicht vorgekommen.
Allerdings wäre ich auch ein ziemlich beschissener Erzieher, wenn ich tatsächlich auf Argumente verunsichert reagieren würde (von schlagkräftigen mal abgesehen).
Da muß man schon ziemlich durchsetzungsfähig manchmal sein und keinerlei Unsicherheiten zeigen, sonst wird man nicht anerkannt.
Sollte ich also mal feststellen, daß ich tatsächlich mal nicht Recht habe, dann würde ich es auf der Arbeit zur Sicherheit von beiden Beteiligten erst anschließend zugeben und ansonsten kann es sein, daß ich auch dem Anderen mal Recht gebe. Allerdings dann auch erst anschließend, weil ich festgestellt habe, daß es immer ganz sinnvoll ist, all seine Argumente auch erstmal vollständig vorzutragen, weil ansonsten es mir auch schon mal passiert ist, daß ich jemanden Recht gegeben habe und dann wieder feststellte, daß ich das Argument ja gar nicht berücksichtigt hatte.
Ich habe aber wirklich ein sehr festes Koordinatensystem in meinen Wertungen.
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Missmaus
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 05.06.06 20:14 |
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Registriert: 06.02.06 13:00 Beiträge: 414
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mmmhh
also eine eigene Meinung habe ich ganz bestimmt, vertrete sie auch bestimmt und konsequent, aber das "unverrückbar" kann ich nicht so pauschal beantworten.
Es kommt immer darauf an worauf sich meine Meinung letztendlich aufbaut:
WISSEN ( kaum verrückbarer Punkt lol )
ERFAHRUNG ( auch schwer zu verrücken )
LEBENSJAHRE ( da rückt so manches schon irgendwie von selbst manchmal )
Überzeugung ( steht ziemlich fest, aber lässt sich bisweilen mit guter Argumentation dann zumindest doch mal überdenken und vielleicht doch minimal verrücken )
WUNSCHVORSTELLUNGEN ( wohl der beste Grund etwas verrücken zu können im Laufe der Zeit )
@Lynch
komischerweise habe ich bisher IMMER mit der Gruppe LEHRER oder ERZIEHER die Erfahrung gemacht, dass diese Menschen sich wirklich schwer verrücken lassen - selbst wenn sie vielleicht sogar mal den ein oder anderen Nachteil dadurch im Leben haben oder sie etwas bereuen später
Um diese Berufszweige nur einen Bruchteil zu verrücken, bedarf es wirklich der gesamten Argumentations- und Schlagfertigkeitsmunition die man so hat  *gg*
Missmaus
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lyra75@web.de
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 05.06.06 21:36 |
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D.Lynch hat geschrieben: Also, ich habe eine feste Meinung und die Frage, was wäre, wen ich mal feststellen würde, daß ich nicht Recht habe, ist reichlich hypothetisch. Mir bislang noch nicht vorgekommen.
Allerdings wäre ich auch ein ziemlich beschissener Erzieher, wenn ich tatsächlich auf Argumente verunsichert reagieren würde (von schlagkräftigen mal abgesehen). Da muß man schon ziemlich durchsetzungsfähig manchmal sein und keinerlei Unsicherheiten zeigen, sonst wird man nicht anerkannt. Sollte ich also mal feststellen, daß ich tatsächlich mal nicht Recht habe, dann würde ich es auf der Arbeit zur Sicherheit von beiden Beteiligten erst anschließend zugeben und ansonsten kann es sein, daß ich auch dem Anderen mal Recht gebe. Allerdings dann auch erst anschließend, weil ich festgestellt habe, daß es immer ganz sinnvoll ist, all seine Argumente auch erstmal vollständig vorzutragen, weil ansonsten es mir auch schon mal passiert ist, daß ich jemanden Recht gegeben habe und dann wieder feststellte, daß ich das Argument ja gar nicht berücksichtigt hatte. Ich habe aber wirklich ein sehr festes Koordinatensystem in meinen Wertungen.
Was für Gruppen erziehst Du denn?
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lyra75@web.de
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 05.06.06 21:48 |
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Missmaus hat geschrieben: mmmhh also eine eigene Meinung habe ich ganz bestimmt, vertrete sie auch bestimmt und konsequent, aber das "unverrückbar" kann ich nicht so pauschal beantworten. Es kommt immer darauf an worauf sich meine Meinung letztendlich aufbaut: WISSEN ( kaum verrückbarer Punkt lol ) ERFAHRUNG ( auch schwer zu verrücken ) LEBENSJAHRE ( da rückt so manches schon irgendwie von selbst manchmal ) Überzeugung ( steht ziemlich fest, aber lässt sich bisweilen mit guter Argumentation dann zumindest doch mal überdenken und vielleicht doch minimal verrücken ) WUNSCHVORSTELLUNGEN ( wohl der beste Grund etwas verrücken zu können im Laufe der Zeit ) @Lynch komischerweise habe ich bisher IMMER mit der Gruppe LEHRER oder ERZIEHER die Erfahrung gemacht, dass diese Menschen sich wirklich schwer verrücken lassen - selbst wenn sie vielleicht sogar mal den ein oder anderen Nachteil dadurch im Leben haben oder sie etwas bereuen später Um diese Berufszweige nur einen Bruchteil zu verrücken, bedarf es wirklich der gesamten Argumentations- und Schlagfertigkeitsmunition die man so hat  *gg* Missmaus
Liegt wohl in der Natur der Sache. Hat, glaube ich, mit dem sozialen Gefüge zu tun. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen ja (wenn man den Erziehungsratgebern Glauben schenken darf, aber die Leute, die sie geschrieben haben, haben jahrelang dieses Thema studiert und sind mir damit einfach voraus, also gehe ich einfach mal davon aus) eine klare Linie und wenn derjenige, der sie ihnen geben soll herumschlingert wie ein alter Lastenkahn, wissen die wahrscheinlich irgendwann gar nicht mehr, was Sache ist. Von daher ist es vielleicht manchmal besser, bei Kleinigkeiten ungerecht zu sein als das Grundziel aus den Augen zu verlieren. Könnte mir vorstellen, daß das der Grund dafür ist, ich meine, ich kann mir nicht vorstellen, daß den angehenden Erziehern in ihrer Ausbildung gesagt wird:" Das oberste Ziel eines Erziehers ist es, alles Erdenklich dafür zu tun, daß sein eigenes Ego zu stärken.", oder?
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D.Lynch
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 06.06.06 04:19 |
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Registriert: 08.09.04 00:59 Beiträge: 5935 Wohnort: Nur noch 15 km zu weit östlich
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Ich bin Erzieher von geistig Behinderten bis jetzt gewesen (und bleib´das auch hoffentlich!).
Und meine letzte Gruppe war schon aus sehr verhaltensauffälligen kräftigen jungen Menschen, die fast alle eine geschlossenen Unterbringung hatten, da wäre es auch für die eigene Gesundheit nicht gut gewesen, so zu tun, als könnte man Fehler machen und damit die Bewohner zu verunsichern.
Was aber auch natürlich immer heißt, daß man genügend Selbstreflexion mitbringen muss, um anschließend, wenn man dann meint, etwas falsch gemacht zu haben, das genau zu reflektieren und ggf. auch, um zu überlegen, wie man das vermeiden kann zukünftig.
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lyra75@web.de
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 06.06.06 21:58 |
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D.Lynch hat geschrieben: Ich bin Erzieher von geistig Behinderten bis jetzt gewesen (und bleib´das auch hoffentlich!). Und meine letzte Gruppe war schon aus sehr verhaltensauffälligen kräftigen jungen Menschen, die fast alle eine geschlossenen Unterbringung hatten, da wäre es auch für die eigene Gesundheit nicht gut gewesen, so zu tun, als könnte man Fehler machen und damit die Bewohner zu verunsichern. Was aber auch natürlich immer heißt, daß man genügend Selbstreflexion mitbringen muss, um anschließend, wenn man dann meint, etwas falsch gemacht zu haben, das genau zu reflektieren und ggf. auch, um zu überlegen, wie man das vermeiden kann zukünftig.
Gut, mit Deinen Bewohnern wirst Du ja dann wahrscheinlich auch nicht wirklich diskutieren können, da geht es doch dann sicher eher um alltägliche Sachen wie Essen, Kleidungswahl vielleicht oder einen Ausflug in die Stadt und was dort zu tun und zu unterlassen ist oder wie weit geistig behindert ist Deine Gruppe.
In der Fußgängerzone, in der ich Vormittags arbeite, geht jeden Tag um dieselbe eine solche Gruppe vorüber. Einer ist wohl auch spastisch gelähmt, der sitzt im Rollstuhl und die Betreuerin muß ihm alle paar Meter den Speichel abwischen, ein anderer läßt sich kaum von Zivi bändigen und springt immer laut johlend von einer Straßenseite zur Nächsten und rennt so einiges über den Haufen.
Also, so die Richtung oder doch anders? Vielleicht Gewalttäter, Serienmörder, Amokläufer und Vergewlaltiger? Die werden doch auch als menschlich entartet deklariert und landen in der geschlossenen, oder?
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Shodo
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 07.06.06 00:16 |
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Hallo,
Ich denke man muss generell zwischen emotionaler und sachbezogener Meinung unterscheiden.
In Werteinstellungen und Ideologien einen Meinungsumschwung zu erreichen ist weitaus schwerer als eine z.B eine Meinung in Bezug auf bestimmte Präferenzen.
Der Grund dafür ist, dass eine emotionale Werteinstellung das Ich und das Selbstwertgefühl eines Menschen signifikant konstituiert. Würde man seine Meinung in fundamentalen emotionalen Bezügen ändern geht damit ein Verlust an intrapersönlicher Integrität einher: Man gibt ein Scheitern des Selbst zu einem gewissen Grade zu. Dies führt zu kognitiven Dissonanzen, welcher der Mensch zu vermeiden versucht.
Deswegen ist es für fremde Menschen kaum möglich die Einstellung eines Menschen u ändern. Nach der Theorie des symbolischen Interaktionismus ist dies signifikanten Anderen vorbehalten.Heißt im Klartext: nur ein Mensch den wir in unserem Schema als maßgebend und nahe stehend einordnen, kann eine fundamentale Änderung in uns bewirken.
Alle andren Versuche von nicht signifikanten Anderen bewirken Reaktanz des Betroffenen; Er wird in seine Auffassung mit Vehemenz aufrechterhalten quasi eine Trotzreaktion zum Schutze des Selbst. Denn ein Scheitern vor einem Fremden einzugestehen führt zu den oben beschrieben Dissonanzen.
Deswegen müssen z.B. Betreuer von devianten Kindern muss erst zu einem signifikanten Anderen werden bevor er das Verhalten der Kinder grundlegend ändern kann.
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D.Lynch
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 07.06.06 04:00 |
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Registriert: 08.09.04 00:59 Beiträge: 5935 Wohnort: Nur noch 15 km zu weit östlich
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Oder anders ausgedrückt:
Manchmal brauchen eben ein paar Leute erstmal was vors Maul, damit sie begreifen, was Sache ist.
Danach kann man ja wieder vernünftig und entspannt über alles reden.
Die Gruppe, @lyra, die Du beschreibst, ist so ungefähr das durchschnittliche Klientel, aber ich war eben auf einer Gruppe zuletzt 8 Jahre, wo mehr schon starke Verhaltensauffälligenkeiten mit starken Fremdaggressionen waren, da mußt Du einfach noch ein bißchen besser aufpassen. Also wir konnten so einen Gruppenausflug eigentlich nur mit einer 1 : 1 - Betreuung machen, da es auch nicht sicher war, daß unsere Bewohner nicht doch wegrennen und / oder andere Passanten angreiffen. Das ist schon schwer, in 1: 1 Betreuung zu gewährleisten, aber wenn man zwei beaufsichtigen muss, fast unmöglich.
Jetzt bin ich nur Springer und habe eher ältere Leute, da ist das alles zur Zeit nicht so wild, aber Ende des Monats höre ich da auch auf, weil dort ist es schon ziemlich langweilig. Die sind alle zu lieb.
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lyra75@web.de
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 08.06.06 18:47 |
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Shodo hat geschrieben: Hallo,
Ich denke man muss generell zwischen emotionaler und sachbezogener Meinung unterscheiden.
In Werteinstellungen und Ideologien einen Meinungsumschwung zu erreichen ist weitaus schwerer als eine z.B eine Meinung in Bezug auf bestimmte Präferenzen.
Der Grund dafür ist, dass eine emotionale Werteinstellung das Ich und das Selbstwertgefühl eines Menschen signifikant konstituiert. Würde man seine Meinung in fundamentalen emotionalen Bezügen ändern geht damit ein Verlust an intrapersönlicher Integrität einher: Man gibt ein Scheitern des Selbst zu einem gewissen Grade zu. Dies führt zu kognitiven Dissonanzen, welcher der Mensch zu vermeiden versucht.
Deswegen ist es für fremde Menschen kaum möglich die Einstellung eines Menschen u ändern. Nach der Theorie des symbolischen Interaktionismus ist dies signifikanten Anderen vorbehalten.Heißt im Klartext: nur ein Mensch den wir in unserem Schema als maßgebend und nahe stehend einordnen, kann eine fundamentale Änderung in uns bewirken.
Alle andren Versuche von nicht signifikanten Anderen bewirken Reaktanz des Betroffenen; Er wird in seine Auffassung mit Vehemenz aufrechterhalten quasi eine Trotzreaktion zum Schutze des Selbst. Denn ein Scheitern vor einem Fremden einzugestehen führt zu den oben beschrieben Dissonanzen.
Ja, das habe ich auch schon festgestellt. Es wäre ja auch ziemlich anstrengend, wenn man bei jeder kritischen Bemerkung eines jeden Dahergelaufenen sein gesamtes Weltbild auf den Kopf stellen würde. Man diskutiert natürlich auch eher selten mit wildfremden solche Fragen, aber manchmal resultieren ja Reaktionen im Alltagsleben auf einer persönlichen Grundeinstellung und wenn sich die von der eigenen maßgeblich unterscheidet, kann man ja auch hin und wieder über eine Lappalie ziemlich aneinandergeraten.
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lyra75@web.de
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Betreff des Beitrags: Verfasst: 08.06.06 18:58 |
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D.Lynch hat geschrieben: . Also wir konnten so einen Gruppenausflug eigentlich nur mit einer 1 : 1 - Betreuung machen, da es auch nicht sicher war, daß unsere Bewohner nicht doch wegrennen und / oder andere Passanten angreiffen. Das ist schon schwer, in 1: 1 Betreuung zu gewährleisten, aber wenn man zwei beaufsichtigen muss, fast unmöglich.
Ach, dann können die nie raus? Das ist ja schade. Also gehe ich davon aus, daß man mit diesen Bewohnern ausschließlich Alltagsfragen zu klären hat und Du sagst nicht, daß Du bisher immer und in allen Fragen Recht gehabt hast, sondern lediglich in Alltagsfragen bezüglich Deiner Gruppe.
Das ist aber ja nur auf Deinen Beruf bezogen, wie ist es denn sonst so? Hast Du auch immer Recht, wenn Du mit Freunden in eine Grundsatzdiskussion gerätst oder bist Du dabei eher derjenige, dessen Einstellung die wenigsten verstehen können?
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